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Sa30.Mär

Erinnerung an Anna Trojer

Erinnerung an Anna Trojer Foto: Karl Schett

Sie war die Tochter der Lehrerfamilie Trojer und starb 98-jährig. 40 Jahre lebte sie in Strassen und war 50 Jahre Pfarrhaushälterin bei ihrem geistlichen Bruder Josef in Baumkirchen.

Den älteren Dorfbewohnern von Strassen ist sie noch gut bekannt. Anna Trojer kam 1914 in St. Veit in Defr. als ältestes Kind des Volksschullehrers Anton Trojer und seiner Frau Theresia geb. Stemberger zur Welt. 1919 übersiedelte die Familie Trojer nach Strassen, wo ihr Vater bis 1953 Lehrer und Leiter der Volksschule war. Bald nach der Pflichtschule musste sie im elterlichen Haushalt mithelfen. Jahrelang pflegte sie auch ihre gesundheitlich geschwächte Mutter, die 1945 im 68. Lebensjahr starb. Ihre jüngere Schwester Hilda besuchte die Lehrerbildungsanstalt, ihr Bruder Josef absolvierte Gymnasium und Priesterstudium.
Die Lehrer Anna, wie sie in Strassen genannt wurde, war eine lebensfrohe und couragierte Person. Davon berichten manche lustigen Geschichten, als sie bei ihrem Vater die Oberstufe der Volksschule besuchte. Ihr Bruder, Pfarrer Trojer, erzählte gerne:

Meine Schwester wollte hoch hinaus. Zweimal bestieg sie den Großglockner, den Weg von Strassen nach Kals und zurück bewältigte sie mit dem Fahrrad.

Bei der Musikkapelle wirkte sie einige Zeit als Marketenderin und nahm auch an einer Wienfahrt teil. Während des 2. Weltkrieges, als viele Männer eingezogen waren, fungierte sie sogar als Verwalterin des Feuerwehrhauses, das im Keller des Schulhauses untergebracht war. Eine Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit war das Tarockspiel, bei dem sie wahrlich ihren Mann stellte. Auch mit ihrer Ziehschwester Zita, die im Schulhaus bei der Lehrerfamilie Aufnahme fand, verstand sie sich sehr gut.

Im Herbst 1958 zog sie mit ihrem pensionierten Vater nach Baumkirchen, wo sie ihrem Bruder Josef, der dort zum Pfarrer bestellt wurde, bis zu dessen Tod 2008, also 50 Jahre, als Pfarrhaushälterin diente. Danach sorgten die Don Bosco-Schwestern ein Jahr für sie, ehe ihre Bleibe - bedingt durch den Umbau des Don Bosco-Hauses - das Seniorenheim "Haus zum Guten Hirten" in Hall wurde. Hier verbrachte sie glücklich ihren letzten Lebensabschnitt bis zu ihrem Heimgang am Karsamstag, 30. März.

Der Verstorbenen wurde in Baumkirchen ein sehr würdiges Begräbnis zuteil. Aufgebahrt in der Kapelle neben der Pfarrkirche, gedachten viele ihrer bei den Seelenrosenkränzen wie beim Sterbegottesdienst in der Kirche. Seelsorgeraumpfarrer Franz Angermayer als Hauptzelebrant fand die passenden Worte im Nachruf. Fünf weitere Priester, darunter die Strassener Msgr. Dr. Franz Mayr und Msgr. Walter Aichner, sowie mehrere geistliche Schwestern gaben ihr die letzte Ehre, ebenso Kirchenchor und Bläser mit passenden Beiträgen. Auf ihren persönlichen Wunsch hin wurde Anna im Grab an der Kirchenmauer, wo auch ihr Vater und ihre Schwester bestattet sind, beigesetzt. Mit ihr hat das letzte Mitglied der verdienstvollen Lehrerfamilie Trojer das Dasein vollendet: Vater Anton Trojer, Schuldirektor und Ehrenbürger von Strassen (+1973), Mutter Theresia (+1945), ihre Schwester Hilda, Lehrerin und Volksschuldirektorin in Strassen (+1980) und ihr Bruder, Pfarrer Msgr. Josef Trojer (+2008). Gott lohne ihnen ihr reiches Tun! KS

Text zum Foto:

Pfarrer Josef Trojer und seine Schwester Anna machten im Sommer gerne Urlaub in Strassen.