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Mo20.Feb

Josefa Bergmann hat uns verlassen

Ihre Kräfte waren verbraucht, ihre Tage gezählt. Schon seit Monaten beim Gehen behindert, machte ein körperlicher Schwächeanfall zu Hause die Einlieferung ins Krankenhaus notwendig. Da keine gröbere Verletzung vorlag, kam sie am gleichen Tag wieder nach Hause.

Doch der Körper der 85-Jährigen war durch die Schmerzen weiter geschwächt. Am Sonntag wurde sie noch einmal von ihren Kindern umsorgt, doch am Montag, 20. Feber 2012, entschlief sie in aller Früh ganz friedlich, unerwartet für alle.
Die Trauertage im Flor-Haus in Messensee-Riedl zeigten, wie geschätzt diese einfache Frau war. Zum abendlichen Totengebet versammelten sich viele Menschen, auch untertags nahm man sich Zeit für ein Gedenken in der Stube, wo die Tote aufgebahrt war. Beim Begräbnis strömte ein langer Trauerzug zur St. Jakobskirche. Kinder und Enkel gaben dem Gottesdienst, der von Dr. Franz Trojer, einem Neffen der Verstorbenen, und Ortspfarrer Mag. Hansjörg Sailer zelebriert wurde, durch Lesung, Fürbitten, Meditation und Nachruf eine bewegende Note; Kirchenchor und Volk stimmten zu den passenden Gesängen ein. Auf dem Friedhof, umrahmt von den Weisen der Bläsergruppe, wurde Josefa im Familiengrab neben ihrem Mann Florian beigesetzt.

In den Gedenkworten leuchteten noch einmal die Lebensstationen und schlichten inneren Stärken von Josefa auf. "Wie ein kleines Senfkorn hat sie das Wachstum ihrer großen Familie grundgelegt, wie ein Sauerteig des Guten das ganze Brot ihrer Familie durchwirkt", meinte Dr. Trojer in Bezug auf das Evangelium. "Unsere Mame", so Maria, die älteste Tochter, in ihrem Nachruf, "war, bildlich gesprochen, wie eine Henne mit einem Ei, wie ein Telefongespräch und wie ein helles warmes Licht. Sie liebte den Garten, die Blumen und alle Tiere, besonders die Hennen, deren Eier sie auch verkaufte. Mit dem Telefon hielt sie den Kontakt zu Kindern und Verwandten, beständig und treu war auch ihre Beziehung zum Herrgott. Die Telefonnummern erinnern an ihr außergewöhnliches Zahlengedächtnis, welches Alter und Ereignisse von fünf bis sechs Generationen genau wiederzugeben vermochte. Wo sich unsere Mame aufhielt, war immer Licht und Wärme, sie war der gute Geist des Hauses."

Josefa geb. Fuchs kam 1926 als viertes von acht Kindern zu Rauter in Arnbach zur Welt. Wegen Keuchhustens gab man sie als Kleinkind zu ihren Mösseveidler Tanten nach Panzendorf, wo sie als Einzelkind aufwuchs und Volks- sowie Fortbildungsschule besuchte. Hernach arbeitete sie bis 1950 im Elternhaus in Arnbach, lernte dann bei den Barmherzigen Schwestern in Zams das Kochen und in Maria Luggau das Nähen. Ihr erstes Geld verdiente sie als Stockmädchen in Zams, später arbeitete sie als Wirtschafterin in Debant und schließlich als Bedienstete beim Gasthof Aigner in Abfaltersbach.

Dort lernte sie ihren Mann Florian Bergmann von Troger in Strassen kennen. 1960 heirateten sie und konnten das neu erbaute Haus in Messensee beziehen. Innerhalb von zehn Jahren schenkte sie acht Kindern das Leben, die unter einfachen Verhältnissen zu tüchtigen Menschen heranwuchsen. In dieser Zeit war das "Flor Sefele", wie man sie im Dorf nannte, ganz für ihre Familie da. Mit Einfachheit, Sparsamkeit und Hausverstand führte sie den Haushalt des 1970/71 vergrößerten Hauses. Ihre Hobbys waren der Gemüsegarten, die Blumen und ihre Hennen, denn zeitlebens blieb sie ein bäuerlicher Mensch. Urlaub war für sie ein Fremdwort, auf friedliche Nachbarschaft legte sie großen Wert. Mit der Zeit zogen die Kinder aus und gründeten eigene Familien mit elf Enkeln, welche ihre Oma gerne besuchten. Im Nov. 2010 hätte Josefa das 50-jährige Hochzeitsjubiläum feiern können, wäre nicht ihr Mann Florian am 30. Juli 89-jährig gestorben. Dieser Tod bedeutete einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben, eineinhalb Jahre später hat sich auch für sie das Dasein vollendet.

"Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen", sang der Kirchenchor bei der Beerdigung aus dem Magnificat. Diese Verheißung trifft wohl ganz auf die verstorbene "Flor Mame" zu, die wir nach einem Leben voll Arbeit, Gutsein und Liebe in den bergenden Händen Gottes wissen. KS