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Fr27.Jan

Jubiläumsausstellung zum 90. Geburtstag von Oswald Kollreider

Künstlerischer Festabend am 27. Jänner im Kultursaal mit vielen Gästen, Ausstellung von gut 50 großteils kaum bekannten Werken aus den Jahren 1953 - 1995.

Es war ein Kunstabend, wie er zum hohen Geburtstag des akad. Malers Prof. Oswald Kollreider nicht festlicher hätte stattfinden können. Eine große Anzahl von Gemeindebewohnern, Verwandten, Bekannten, dazu auch heimische Künstler verliehen zusammen mit den ausgestellten Werken dem Kultursaal Strassen ein Ambiente, dem in seiner Stimmung nur eines fehlte, nämlich der hoch betagte Jubilar selber.

Und doch spürte man seine Persönlichkeit, seinen künstlerischen Geist schier überall: in seinen Bildern, in den Gesprächen und nicht zuletzt in der Videoverbindung, die zu seiner Wohnung im 2. Stock des Gemeindehauses hergestellt war und ihn, dem man die Belastung einer persönlichen Teilnahme abgeraten hatte, am Feiergeschehen teilhaben ließ.

Heimat und Welt als Künstler betrachtet

"Der Weg war ein wichtiges Motiv in deinem Leben, du hast mehr Reisen als Ausstellungen gemacht; doch die Verwurzelung in der Heimat, in den beiden Osttiroler Dörfern Kartitsch und Strassen blieb immer lebendig. Mit großer Energie begannst du als Bauernbub in der kargen Zeit nach dem 1. Weltkrieg dein bildnerisches Schaffen, und es erhält dich geistig aktiv bis zum heutigen Tag", so der Festredner und Südtiroler Kunsthistoriker, Landeskonservator Mag. Dr. Leo Andergassen, ein Kenner von Kollreiders Werk. Und weiter: "In dieser Ausstellung sehen wir vor allem den "klassischen" Kollreider, Werke aus dem "Frischfleisch" seines Schaffens, das sich nicht in bestimmte Stilrichtungen einordnen lässt, sondern eine ganz persönliche Entwicklung genommen hat, unabhängig vom Betrachter oder Kunsthandel. Kollreider sucht in seinen Bildern nicht das Kurzlebige, sondern was den Menschen, sein Sein und seine Würde, ausmacht. Sakrale und profane Werke stehen in Beziehung zueinander und auch zum inneren Erleben des Künstlers. Oswald Kollreider ist, obwohl persönlich nicht anwesend, als Künstler in seinem Lebenswerk selber zum Bild geworden. und hat damit viele Menschen reich beschenkt."

 

Rund 50 Werke aus 40 Schaffensjahren

Die Werke für die Ausstellung wählte Dr. Andergassen aus, viele mussten erst gerahmt werden; die aufwändige Organisation oblag Gemeindeamtsleiter Bernhard Bodner. Schon die ausgestellten Werke im Vorraum des Kultursaales stimmen auf die Vielfalt an Themen und Techniken des Künstlers ein: Portrait von Kaiserin Zita als Bleistiftzeichnung von 1982, drei Landschaftsbilder in Aquarell- oder Temperatechnik, weiters "Der Tempelberg in Jerusalem", "Die Blaue Moschee" oder die kaum bekannten "Betenden Hände", gemalt 1961. Im Saal wird man sofort von zwei monumentalen Bildfolgen angesprochen, an der Westwand von den elf Blättern eines Passionszyklus, Kohlezeichnungen 1960 und 1966, und gleichsam als Gegenstück an der Ostseite von einem farbigen Kreuzweg als großes Gesamtbild, 1959 geschaffen. Das breite Spektrum an Bildgestaltung betonen auch die Darstellungen auf der Südwand. Ein männlicher und weiblicher Akt, 40 Jahre zeitlich getrennt, sowie die Bilder "Liebespaar" und "Am Strand" widmen sich dem menschlichen Körper; "Geiger", "Mann auf der Werkbank", weiters "Bauer mit Schaufel", "Säender und mähender Bauer" bestätigen die Hochschätzung, die der Künstler Menschen aller Berufe entgegenbringt. In ferne Länder und wieder religiöse Themen entführen "Türkische Männer", "Hirte" sowie "Weihnacht", "Ölberg" und "Pieta" an der Saalnordwand. Bilder und gerahmte Skizzen werden auch zum Kauf angeboten.

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Große Verdienste für die Allgemeinheit

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"Oswald Kollreider hat in seiner Wohngemeinde Strassen, seiner Heimatgemeinde Kartitsch und weit darüber hinaus viel mitgestaltet und verdient dafür unseren ganz besonderen Dank", meinte Bgm. Franz Webhofer, der als Ehrengäste namentlich Msgr. Dr. Franz Mayr, mehrere Osttiroler Bürgermeister, Osttiroler Künstler, die Gemeindeführung und Kollreiders Verwandte begrüßte und die überregionalen Politiker entschuldigte. "Mit großem Einsatz arbeitete Kollreider bei der Renovierung der Dreifaltigkeits- und St. Jakobskirche und des Widums mit, trug zum Gelingen der zahlreichen Priesterfeste in Strassen ganz wesentlich bei und stellte sein Wissen auch im Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrat zur Verfügung. Seine Werke zieren das äußere von Häusern und öffentlichen Gebäuden, fast in jeder Wohnung hängt eines seiner Bilder, besonders Gemeindekanzlei und Sitzungssaal von Strassen sind durch bedeutende Kunstwerke aufgewertet. Trotz all dieser Verdienste ist Kollreider immer ein bodenständiger, bescheidener, liebenswerter und großzügiger Gemeindebürger geblieben, dem man schon 1985 die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Strassen verlieh. Wir wünschen dem Jubilar auf seinem weiteren Lebensweg vor allem Gesundheit."

Gratulationen und Aufmerksamkeiten

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Im Namen der Schützenkompanie Strassen, deren Ehrenmitglied Kollreider ist, brachte Obmann Hans Bergmann seine Glückwünsche vor und dankte für vielfache Unterstützung. In humorvoller Art erzählte der Neffe des Jubilars, ebenfalls Oswald Kollreider, von den drei grundverschiedenen Oswalds, die vor ca. 60 Jahren im Mesner Haus in Kartitsch/St. Oswald lebten. Das Bläserquartett der Musikkapelle trug mit seinen Weisen wesentlich zum festlichen Ablauf bei, für das leibliche Wohl sorgten hernach die Bäuerinnen sowie die Mädchen und Burschen der Landjugend. Auch der ORF brachte in Radio Tirol ein Interview mit dem Künstler, dem man weiters einen Beitrag im Fernsehprogramm von Tirol Heute widmete. Besonders freuten Oswald und seine Schwester Theresia die hl. Messe, die Pfarrer Mag. Hansjörg Sailer am Vortag in der Wohnung des Künstlers feierte, von den Weisen der Geschwister Senfter stimmungsvoll umrahmt. Zahlreiche Bekannte ließen es sich auch nicht nehmen, dem Jubilar einen persönlichen Gratulationsbesuch abzustatten oder über Video zu gratulieren. Von persönlichen Geschenken bat der Künstler zu Gunsten einer Spende an die Caritas abzusehen. Das "Kollreider-Jahr" wurde schon am 28. Mai 2011 durch die Ausstellung "Retrospektive eines Expressionisten" im Museum Schloss Anras eröffnet.