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Heinrich Oberleiter stellte sein Buch vor

Heinrich Oberleiter stellte sein Buch vor Foto: Karl Schett

"Es gibt immer einen Weg"

Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung des Tiroler und Südtiroler Schützenbundes, in welcher der einstige Südtiroler Freiheitskämpfer Heinrich Oberleiter über sein Leben erzählte.

Heinrich Oberleiter aus St. Johann im Ahrntal war einer der vier Puschtra Buibm, die 1961-1967 in Südtirol Sprengstoffattentate verübten, um international auf die Südtirolfrage aufmerksam zu machen. Jahrelang hauste er mit seinen Mitkämpfern in Felsverstecken. Auf geheimem Weg nach Osttirol wurde er von der italienischen Polizei gefasst, konnte sich aber später in einer spektakulären Flucht nach Nordtirol retten. Heute lebt er mit seiner Familie in Würzburg, darf aber, wie seine zwei noch lebenden Puschtra Mitkämpfer, immer noch nicht in seine Heimat zurück.
Gut 130 interessierte Zuhörer, von den zahlreichen Südtirolern einige sogar in Schützentracht, konnte VK Bundesmajor Sepp Außersteiner namens des Bundes der Tiroler Schützenkompanien am 6. Okt. im Kultursaal Strassen begrüßen.

"Den Freiheitskämpfern haben wir es auch zu verdanken, dass das Südtirolproblem international bekannter wurde, der italienische Staat einlenkte und Südtirol nach langen Verhandlungen eine entsprechende Autonomie erhielt", wies Major Efrem Oberlechner, Referent für Medien und öffentlichkeitsarbeit im Südtiroler Schützenbund, in seiner Einführung auf den großen Einsatz der Freiheitskämpfer, wie Heinrich Oberleiter, hin.

"Als viertes von 13 Kindern einer Kleinbauernfamilie 1941 geboren, schon als Viehhirte und Bauernknecht mit harter Arbeit konfrontiert, wurde ich vor allem durch den ungerechten Prozess 1957 gegen die sog. Pfunderer Buam und meine Erlebnisse beim italienischen Militärdienst als 20-Jähriger zum Widerstandskämpfer", erzählte Oberleiter selber aus seinem Leben und schilderte den weiteren dornenvollen Lebensweg fern der Heimat.

Hauptzweck dieses Buches sollte sein, dass der damalige Existenzkampf der deutschen Südtiroler und der Lebenseinsatz der Freiheitskämpfer in der heutigen Zeit nicht in Vergessenheit gerät.

Auch die Historikerin Dr. Margareth Lun, welche die selbst verfasste Lebensgeschichte von Oberleiter in den richtigen Zusammenhang gestellt und die geschichtlichen Hintergrundinformationen beigesteuert hat, nahm zum neu erschienenen Buch Stellung. Herausgegeben vom Südtiroler Schützenbund, trägt es den Titel "Es gibt immer einen Weg" und berichtet in zehn Abschnitten auf 186 Seiten vom Freiheits- und Lebenskampf des Puschtra Buibm Heinrich Oberleiter.

Höhepunkt des Abends war die für den Betroffenen unerwartete Ernennung zum Ehrenmitglied des Südtiroler Schützenbataillons Ahrntal. Passend zu seinem Leben erhielt er als Urkunde einen beschrifteten Felsbrocken, weiters ein Holzrelief mit Selbstbildnis und Heimathof, schließlich sogar die Schützentracht. Tief bewegt zeigte sich Oberleiter für die hohe Auszeichnung und war auch noch bereit, auf mehrere Fragen der Anwesenden Auskunft zu geben.

Hans Bergmann, Obmann der Strassener Schützen, dankte allen Mitwirkenden des interessanten Abends nebst Hausherrn Bgm. Franz Webhofer, aber besonders dem Autor, der vor und nach der Veranstaltung zahlreiche Bücher signierte. KS

Zum Titelbild: Vertreter des Schützenbataillons an der Ahr (rechts) überreichten Heinrich Oberleiter, flankiert von Major Efrem Oberlechner und Historikerin Dr. Margareth Lun, die Ehrenurkunde auf Felsstein und die Schützentracht mit Heimatfahne.

Referat von Dr. Margareth Lun

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Fotos: Hans Bergmann

Heinrich Oberleiter erzählt von seinem Leben

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Team um Oberleiter mit Funktionären unserer Schützenkompanie

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