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So28.Mär

Das Leben von Franz Bodner, Brunnerbauer in Strassen

Alles was auf der Erde geschieht hat seine vorbestimmte Zeit: geboren werden und sterben, einpflanzen und ausreißen, niederreißen und aufbauen, weinen und lachen, wehklagen und tanzen, finden und verlieren, reden und schweigen. Gern möchten wir erfassen, erahnen, was dieses Leben von Franz Bodner ausmachte, wer er gewesen ist in den beinahe sechs Jahrzehnten seines Lebens.

Franz wurde am 28. Oktober 1951, einem Sonntag, als drittes von neun Kindern zu Brunner in Strassen geboren. An einem Sonntag, dem Palmsonntag 2010 ist er gestorben. Dieser Sonntag hat eine tiefe, schmerzende Karwochenerfahrung gebracht. Auf unwiderrufliche Weise ist das Kreuz in das Leben getreten. Seit Oktober des Vorjahres wusste Franz von seiner Krankheit. Viele Hoffnungen bewegten ihn in den letzten Wochen: die Arbeit, die menschlichen Beziehungen - dies und noch vieles mehr - wurden durchkreuzt. Wer kämpft, der kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dieser Satz von Bertold Brecht passt wohl genau auf Franz. Er hat gekämpft - und häufig das erreicht, was im wichtig war. Seine Erfolge haben ihn aber nicht überheblich gemacht. Er hat aber auch in seinem Leben das Scheitern erfahren - so jetzt zum Schluss - den Kampf um seine Gesundheit.

Er besuchte die Volksschule in Strassen, später dann die landwirtschaftliche Schule in Lienz, die er als landwirtschaftlicher Facharbeiter abschloss. Seine Fortbildung und Neugierde für die Natur und den Bauernstand setzte er in Rotholz fort, wo er den Meisterbrief zum Landwirtschaftsmeister erwarb.

Diese, seine Ausbildungen wurden für ihn wichtig, als 1969 sein älterer Bruder Peter verunglückte und er nun auf dem elterlichen Hof verantwortlich war. Im Jahre 1985 übernahm er den Brunnerhof. Eine tragende Rolle hatte Franz auch nach dem Tode seines Schwagers Josef Huber 1977 zu übernehmen, seine Schwester Maria zu unterstützen und für die Knapperkinder ein guter Ersatzvater zu sein.

Er fand auch für sich und den Brunnerhof mit Annelies von Valtner in Hof eine wertvolle, treue und hilfsbereite Ehefrau, die er im Jänner 1978 heiratete. In all seinen Funktionen war sie ihm Stütze, und gerade jetzt in den letzten Wochen seiner schweren Krankheit eine vorbildhafte und Aufopfernde Hilfe und Pflegerin. 32 Jahre sorgte er fürsorglich, liebevoll und mit Stolz für die vier Kinder. Große Freude machten ihm die Enkelkinder - er spielte und scherzte gerne mit ihnen als stolzer Opa.

Ein Ort, wo sich der Brunner Franz gerne aufhielt war das Wasser, die Drau. Eines seiner Hobbies war das Fischen. Er kannte die Stellen, die einen guten Fang versprachen, er wusste, was man alles beachten musste, um ein gutes Resultat zu erzielen. Das beste Resultat erzielen - als Bauer, in der Sorge für seine Familie - das bedeutete ihm viel. Er war mit seinen Gedanken immer einen Schritt voraus. Er war Vorreiter in einigen landwirtschaftlichen Belangen: vom Einsatz der neuesten Maschinen, der Schneeräumung bis zum Neubau und Ausbau und Vergrößern seines Hofes. Nicht nur vor sich selbst wollte er gut sein, bestehen können - gern versuchte er auch das, was ihm am Herzen lag, für andere nachvollziehbar und zugänglich zu machen. Andere einbeziehen, Probleme friedlich zu lösen - dieses Grundanliegen veranlasste ihn zur Mitarbeit in der Nachbarschaft, in der Agrargemeinschaft und in anderen Vereinen.

franz bodner 02So kam er vor 40 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr Strassen und war der erste Strassener Feuerwehrmann, der das goldene Leistungsabzeichen trug; ebenfalls vierzig Jahre war er als Geschäftsführer beim Maschinenring tätig. Ganz wichtig war ihm ein schöner Zusammenhalt in der Familie. Zu Allerheiligen und zu Weihnachten trafen sich alle Verwandten zum gemeinsamen Essen bei Brunner, oft kochte er selbst für seine Angehörigen. Große Freude bereitete er vielen seiner Freunde und Bekannten, wenn er zu Weihnachten einen Mistelzweig ins Haus brachte. Kameradschaft, Freundschaft, geselliges Beisammensein, Kontakte knüpfen, Neues erfahren, Ausflüge als Vereinsmitglied unternehmen, sich für die Gemeinde einsetzen, als Feuerwehrhauptmann immer da zu sein, Hilfsbereitschaft, gute Nachbarschaft mit den Priestern im Widum - Pfarrer Dobler und Pfarrer Trenker sind Franz auch in den vorösterlichen Tagen zu Gott vorausgegangen - dies alles kennzeichnet ihn.

Das Lebensnetz von Franz ist nun am Ende seiner Jahre gut gefüllt. Wir sind nicht imstande, es einzuholen und an Land zu ziehen. Aber wir hoffen doch, dass einige wenige Andeutungen genügen, um Menschen, die den Brunner Franz gut gekannt haben, viele Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Erfahrungen in Erinnerung zu rufen. Franz war Teil eines Netzwerkes, das er selbst mit aufgebaut und instand gehalten hat. Dass dieses Netz von Beziehungen leistungsfähig, dass es belastbar ist und vieles aufnehmen kann - das haben wir ihm zu danken.

So schwingt sehr viel Dankbarkeit mit. Gott hat soviel Leben geschenkt, es ist zu früh zu Ende gegangen. Nun lebt er mit seinem Bruder, der 1969, mit seinem Vater, der 1988 und mit seiner Mutter, die heuer im Jänner und zu Gott heimgegangen ist in der Herrlichkeit und Ewigkeit unseres Herrn und Schöpfers.

Franz Bodner mit allen Ehren bestattet

Am 28. März starb der Brunner Bauer nach schwerer Krankheit. Als Familienvater, Feuerwehr-, Gemeinde- und Agrarfunktionär hinterlässt er eine große Lücke.

Als am Palmsonntag-Vormittag die Kunde vom frühen Ableben des 58-jährigen Brunner Bauern Franz Bodner durch das Dorf ging, waren nicht nur die Angehörigen, sondern die ganze Gemeinde zutiefst betroffen. Man wusste zwar von seiner schweren Krebserkrankung, an der er seit Oktober 2009 litt, doch glaubte man an die Wende zum Guten, vergeblich.

Familienvater und zukunftsorientierter Landwirt

Franz Bodner kam 1951 als drittes von neun Kindern zu Brunner in der Fraktion Messensee zur Welt. Er absolvierte die Volksschule in Strassen und die landwirtschaftliche Lehranstalt in Lienz, die er als Facharbeiter abschloss. Doch er bildete sich in Rotholz weiter und erwarb 1975 den Landwirtschaftsmeister-Brief. Diese Qualifikation konnte er gut gebrauchen, denn sein älterer Bruder Peter war 1969 bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt, sodass Franz 1985 den Brunnerhof von seinem Vater, der 1988 starb, übernahm. Darüber hinaus setzte er sich auch für den Knapper Hof ein, dessen Besitzer Josef Huber, der Mann seiner Schwester Maria, 1977 auch auf der Straße ums Leben gekommen war. 1978 heiratete er Annelies Holzer von Valtner in der Fraktion Hof, die ihm eine treue und arbeitstüchtige Ehefrau und Mutter von vier Kindern wurde, welche sie gemeinsam zu fleißigen Menschen erzogen; der älteste Sohn Peter ist nun Hoferbe. Große Freude machten ihm die vier Enkel, mit denen er gerne scherzte und spielte. Als seltene Erholung gönnte er sich das Fischen, viele seiner Fänge spendierte er für seine Kameraden.

Franz war mit Begeisterung und überzeugung Landwirt. Schon sein Vater wirkte als bäuerlicher Pionier, der immer als Erster im Dorf neue Maschinen einsetzte. Diesen Weg beschritt der Brunner Franz konsequent weiter, indem er schon zu Beginn der 70er-Jahre die Getreideernte dem Mähdrescher überließ, später Silomais anbaute und auch das Heu in der neuen Ballenform erntete. Für seinen wachsenden Maschinenpark, den er auch im Maschinenring und weiters bei der Schneeräumung der Gemeindestraßen einsetzte, erbaute er ein zusätzliches Futterhaus und eine größere Mehrzweckgarage.

Feuerwehrfunktionär mit Leib und Seele

Ortskommandant ABI Heinz Golmayer würdigte am offenen Grab die Verdienste seines Vorgängers: "Franz Bodner brachte es in der Freiwilligen Feuerwehr Strassen auf 40 Dienstjahre, von denen er 18 Jahre als Kmdt.-Stellvertreter und 15 Jahre (1993-2008) als überaus aktiver Kommandant wirkte. Schon 1974 erwarb er als Erster der Strassener Wehr das Feuerwehrleistungsabzeichen in Gold und stellte mit Begeisterung bei den Wettbewerben seinen Mann. Unter seiner Führung wurde 1993 das Tanklöschfahrzeug in Betrieb genommen, auch beim Ankauf des letzten Löschfahrzeuges 2007 von der Feuerwehr Hall führte Franz die entscheidenden Verhandlungen. Sein größtes Verdienst war der Bau des zentralen Feuerwehrhauses, das 2002 eingeweiht wurde. Viel Verhandlungsgeschick erforderte auch 2007/08 die Zusammenführung der Fraktions-Löschgruppen zu einer geschlossenen Feuerwehr und die Neustruktuierung in fachlich-technische Löschgruppen. Sehr am Herzen lag ihm auch die Partnerschaft mit der Feuerwehr St. Florian; im Rahmen der Fahrt nach Oö 2009 konnte er mit dem Abt des Stiftes St. Florian Holzinger und Landeshauptmann Pühringer persönlich sprechen. Für seine großen Leistungen - dazu zählen auch unzähligen Stunden der Kameradschaftspflege - erhielt Oberbrandinspektor Bodner das Verdienstzeichen in Bronze des Bezirks- und jenes in Silber des Landesfeuerwehrverbandes, 2008 die Verdienstmedaille des Landes Tirol."

Überwältigende Teilnahme am Begräbnis

Schon zum Totengebet für den Verstorbenen, der in der Stube des Heimathauses aufgebahrt war, kamen außergewöhnlich viele Leute aus Nah und Fern. Dieses beeindruckende Mittrauern setzte sich beim Begräbnis am Karmittwoch fort. Die gesamte Strassener Feuerwehr, verstärkt durch die FF Tessenberg und Repräsentanten der Nachbarwehren, der Partnerwehr St. Florian und des Bezirksverbandes mit BFK-Stv. Walter Lamprecht und Alt-BFK Ferdinand Draxl an der Spitze, nahmen vor dem Trauerhaus Aufstellung. Nach den Weisen der Musikkapelle und des Männerchores sowie der Einsegnung durch Mag. Peter Bodner in Vertretung des verhinderten Ortspfarrers Mag. Hansjörg Sailer setzte sich der lange Trauerzug in Bewegung, der schließlich von Messensee bis zur St. Jakobskirche reichte. Männerchor und Angehörige steuerten passende Beiträge zum Requiem bei, und Zelebrant Mag. Bodner, der den Lebenslauf vortrug, ermutigte zu viel Gottvertrauen, mit dem auch schwierigste Lebenssituationen nicht sinnlos seien, sondern zu einem guten Ende führen würden. Die Beisetzung auf dem Ortsfriedhof gestaltete sich zu einer würdigen öffentlichen Verabschiedung. Beim Lied vom guten Kameraden, intoniert von der Musikkapelle, senkten sich stellvertretend für die 13 anwesenden Fahnen jene der FF Strassen und Tessenberg sowie der Musikkapelle Strassen auf den Sarg.

Der neugewählte Bürgermeister Franz Webhofer dankte in seiner Grabrede für die Erfüllung vieler öffentlicher Aufgaben: "Franz Bodner übernahm mit 20 Jahren von seinem verunglückten Bruder Peter die Geschäftsführung des Maschinenringes Osttiroler Oberland, der sich nach der Fusionierung zum Maschinenring Osttirol unter seiner Mitarbeit zu einer unverzichtbaren bäuerlichen Einrichtung entwickelte. Als Obmann der Ortsbauernschaft und der Agrargemeinschaft Strassen-Messensee arbeitete er mit Nachdruck für seinen Berufsstand. Im Raiffeisensektor war er jahrelang Delegierter der Raiffeisengenossenschaft Osttirol und seit 1992 durchgehend Mitglied des Aufsichtsrates der Raiffeisenbank Sillian. Dem Gemeinderat Strassen gehörte er 1980-1986 und von 1992-2010 an, davon in den vergangenen zwölf Jahren als Gemeindevorstand. Für die Tiroler Volkspartei hatte er in den letzten sechs Jahren die Funktion des Ortsobmannes inne. Bei all diesen Aufgaben hatte der "Brunner Franz" immer klare Ideen und Ziele vor Augen; Bekanntheit, Geselligkeit, Ausdauer und Arbeitsfleiß machten ihn zu einem wahren Organisationstalent, der aber auch manche Kritik hinnehmen musste." Mehrere Vertreter der öffentlichkeit, darunter Bezirksbauernobmann Ing. Martin Mayrl, Bezirkslandwirtschaftskammerobmann Friedrich Schneeberger, Bezirksbäurin Anna Frank, öVP-Bezirksobmann-Stv. Bgm. Erwin Schiffmann, öVP-Bezirksgeschäftsführer Charly Kashofer, Bundesrätin Elisabeth Greiderer und Nationalrat Hermann Gahr, Alt-Bundesobmann der Maschinenringe Österreichs, würdigten durch ihre Begräbnisteilnahme das allzu früh beendete Lebenswerk des Verstorbenen.

"Ich hätte noch so viel vorgehabt", sagte der Brunner Franz unlängst zu einem Freund. Möge er nun in der anderen Welt, in die ihm seine 87-jährige Mutter zu Jahresbeginn vorausging, ausruhen von seinem rastlosen Tun. KS

Das letzte Geleit

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Der letzte Fahnengruß

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