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So05.Apr

Letztes Geleit für Jakob Mayr

Am Karmittwoch begleiteten viele Menschen aus Nah und Fern Jakob Mayr, besser bekannt als "Schneider Joggl", vom Heimathaus in Fronstadl zur St. Jakobskirche. Ein warmer Frühlingstag kündete das Erwachen der Natur, und man wollte es fast nicht glauben, dass es für den knapp 72-jährigen Joggl der letzte Frühling auf dieser Welt war.

Dekan Franz Hofmann zelebrierte für den abwesenden Ortspfarrer Hudson, der mit den Firmlingen in Assisi weilte, den Sterbegottesdienst, welchen der Männerchor mit passenden Beiträgen verschönerte. Der Priester ließ in seinen Predigtworten den Lebensweg von Jakob Mayr nochmals lebendig werden und tröstete mit der Zusage, dass der Verstorbene nicht nur in der Erinnerung der Menschen lebt, sondern vor allem in Jenseits bei Gott. Auf dem Friedhof feuerten die Schützen ihrem Kameraden eine Abschiedssalve und beim Lied vom guten Kameraden neigten sich vier Fahnen ins offene Grab, sodass augenscheinlich wurde, wie stark der Schneider Joggl, obwohl er alleinstehend war, mit der Dorfgemeinschaft verbunden war.

1937 wurde Jakob Mayr als viertes von zwölf Kindern der Eheleute Johann und Hedwig Mayr, vlg. Schneider, geboren. Die damalige Zeit um den Zweiten Weltkrieg sowie der abgelegene Bergbauernhof bedeuteten für den Buben eine karge Kindheit mit weitem Schulweg und früher Mithilfe in der Landwirtschaft. Nach der Volks- und Fortbildungsschule absolvierte Jakob die zweijährige landwirtschaftliche Lehranstalt in Lienz, wo er sich eine gute Ausbildung aneignete und auch viele junge Menschen kennenlernte. In den folgenden Jahren verdingte er sich als Dienstbote auf dem Marklhof in Mils und bei einem Großbauern in Hochsölden. 1966 kehrte er nach Hause zurück, denn der Vater brauchte bei der anstrengenden Bergbauernarbeit seine Hilfe. Um sich ein sicheres finanzielles Standbein zu schaffen, trat er wie sein älterer Bruder Seppl 1972, nach dem Tod des Vaters, in den Dienst der Genossenschaftsmühle Lienz, dort war er bis 1992, also zwanzig Jahre, als fachkundiger Arbeiter tätig. Gleichzeitig unterstützte er seinen jüngsten Bruder Lois, der den elterlichen Hof übernommen hatte, ein neues Wohnhaus baute und eine Familie gründete. Er selber und seine Mutter, die 1996 starb, blieben im Altbau. In diesen Pensionsjahren wurde es stiller um ihn, seine beiden älteren Brüder Hans und Sepp gingen ihm im Tod voraus. Umso wohler fühlte er sich, wenn er nach der Sonntagsmesse zum Frühschoppen im Gasthaus einkehrte oder am Nachmittag sogar zu Hause einen Besuch empfangen konnte.

Zur Mitarbeit in der Dorfgemeinschaft ließ sich Jakob nicht betteln. Jahrzehnte lang wirkte er bei Feuerwehr und Schützen mit und war ein besonderer Förderer der Musikkapelle, obwohl er selber kein Instrument spielte. In den Jugendjahren war er auch in der Jungbauernschaft aktiv. Vor rund sieben Wochen musste Jakob ins Krankenhaus Lienz und erhoffte sich dort eine Besserung seines Gesundheitszustandes. Es kam aber anders, denn am Palmsonntag, 5. April, verstarb er dort unerwartet. Unser Dorf ist um einen humorvollen, friedlichen und geselligen Menschen ärmer geworden, doch Jakob darf auf ein reiches Leben im Jenseits hoffen. KS