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Fr29.Jan

Bäuerin und Mutter - ein Leben lang

Karolina Eder Karolina Eder

Immer wieder hat Karolina Eder in ihrem Leben ein bewusstes, verantwortungsvolles „Ja!“ gesagt.

Karolina wird 1935 als zweites von sieben Kindern ihrer Eltern Maria und Josef Mayr zu Staffiner in Strassen/Fronstadel in eine Großfamilie hineingeboren. Ihre Kindheit fällt in die dunkle, angstvolle Zeit des 2. Weltkrieges. Neben der Volksschule lernt sie schon ihren Beruf. Sie spürt das Atmen der Erde, lernt das Durchhalten bei schwerer Arbeit und denkt: „Ja, ich möchte Bäuerin sein, ein Leben lang.“

Karolina, Lindl genannt, besucht die landwirtschaftliche Haushaltungsschule in Lienz und bringt sich schon früh ins öffentliche Leben ein, im Kirchenchor, bei Wettbewerben der Landjugend, wo sie für Strassen den Landessieg und zweiten Platz im Bundesbewerb nach Hause bringt.

Das junge Lindl geht in den Dienst nach Uttenheim in Südtirol und findet dort in Franz Eder die Liebe ihres Lebens. Die beiden sagen 1959 in Maria Trens "Ja" zueinander. Lindl erlebt, wie sie selber sagt, die sieben glücklichsten Jahre ihres Lebens als Bäuerin auf dem extrem gelegenen Unterklapferhof in Uttenheim. Mit der Geburt ihrer ältesten Tochter Maria beginnt ihr neuer Lebensabschnitt als Mutter, und sie schenkt innerhalb von 15 Jahren zehn Kindern das Leben. Gemeinsam bejahen die Eltern jedes einzelne Kind als Geschenk Gottes und erziehen es mit Liebe, Strenge und Nachsicht.

Durch die Bergbauernarbeit ist die Gesundheit des Vaters angeschlagen, das erfordert den Verkauf des Heimathofes. Nach einer Zwischenstation als Messner in Tessenberg findet die Familie im Kauf des Vilger Hofes in Strassen/Hof eine neue Heimat. Lindl setzt 500 Ribiselstauden und will auch mit ihrem Gemüsegarten, den Schweinen und Hühnern zum Lebensunterhalt beitragen. Der Neubau von Wohn- und Wirtschaftsgebäude fordert die ganze Familie und schafft ein schönes Zuhause.

Woher nimmt die Mutter ihre Kraft für diese großen Aufgaben? Sie besucht täglich die heilige Messe und sucht den Dialog mit Gott und den Mitmenschen. Diese Quelle will sie auch weitergeben, engagiert sich in der Franziskanischen Gemeinschaft, im Pfarrgemeinderat und bei den Ortsbäuerinnen. Doch ihre erste Aufgabe ist die Familie, sie sorgt sich um die Ausbildung ihrer Kinder, die alle ihren Beruf finden und großteils selber eine Familie gründen. Tochter Agnes tritt in den Orden „Das Werk“ ein, was die ganze Familie freut. Die Vilger Eheleute werden Großeltern von 22 Enkelkindern und Lindl sogar Urgroßmutter. Weitum bekannt ist die Gastfreundschaft und Großzügigkeit von Lindl, die spontan zu einem Kaffee und Gespräch einlädt und den Besucher mit einem kernigen, natürlich selbst gebackenen Breatl verabschiedet.

Doch die Last des Alters mit einer schweren Krankheit, macht Lindl zu schaffen. Aus der redseligen und geschäftigen Frau wird in den letzten sieben Jahren eine stumme, unbewegliche Hilfsbedürftige, welche die aufopferungsvolle Pflege durch Angehörige und Sozialsprengel braucht. Ihr Mann geht ihr im März 2014 im Tode voraus, nach fast 55 gemeinsamen Ehejahren. Lindl sagt zu ihrem Leiden das letzte Ja und bewältigt es in bewundernswerter Art, bis sie am 26. Jänner 2016 ihr Leben dem Schöpfer zurückgibt.

In würdiger Form wird die Mutter in der Vilger Stube aufgebahrt. Der Besucherstrom reißt nicht ab, viele wollen im Gebet an sie denken. Am Begräbnistag bewegt sich der lange Menschenzug von Hof bis zur Dreifaltigkeitskirche und weiter zur St. Jakobskirche, wo man eine außergewöhnliche Begräbnisfeier miterlebt. Sechs Priester, mit dem geistlichen Bruder Franz als Hauptzelebranten, feiern das Requiem, von Kirchenchor und Volk festlich mitgestaltet. Kinder und Enkelkinder bringen sich mit passenden Texten ein und Sohn Ferdinand trägt eine tiefgehende Lebenswürdigung vor, geprägt von großer Dankbarkeit. Die Zeremonie auf dem Friedhof wird von der Bläsergruppe umrahmt, und im Magnificat des Kirchenchores klingt noch einmal die Lebensmelodie der Vilger Mutter: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter, denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“ KS