Pfarrkirche zum Hl. Apostel Jakobus

Sonstige Kirche & Religion

Aus der Geschichte der Kirche

Schon vor 700 Jahren stand auf dem Hügel, wo heute die St.-Jakobs-Pfarrkirche steht, eine Kapelle zu Ehren des hl. Jakobus d. Ä. Diese Tatsache wird 1293 urkundlich erwähnt. 1453 erteilte Kardinal Nikolaus v. Cusa, Fürstbischof v. Brixen, der St.-Jakobs-Kapelle einen Ablassbrief. 1455 erfolgte der gotische Neubau.

1770 ließ Kurat Josef Schwaiger die gotischen Fresken übertünchen und die Kirche "entgotisieren". 1850 wurde das Langhaus um ca. 6 Meter verlängert und die Sakristei angebaut (Maurermeister Josef Oberegger, Schloss zu Hof).

In den Jahren 1853 bis 1873, 1881/82 und 1885 wurden vielfältige Innenausstattungen im neugotischen Stil durchgeführt.

Nach der Entdeckung und Freilegung der gotischen Fresken 1936 bis 1941 wurde der bisherige schwere, düstere Hochaltar entfernt und 1973 auch die neugotischen Seitenaltäre.

Innenraum

Innen

Er zeigt ein einheitlich gotisches Erscheinungsbild: dreijöchiges Langhaus, Sternrippengewölbe in klarer, einfacher Struktur mit runden Schlusssteinen. Sie zeigen das Wappen von Tirol, das Wappen der Katharina v. Gara-Förz und ein unbekanntes Wappen.

Der Übergang zum Chor ist ein spitzbogiger Triumphbogen. Der Chor ist nach Norder verschoben mit zwei Jochen und Dreiachtelschluss, Sternrippen mit runden Schlusssteinen auf Konsolen, und stellen das Haupt Jesu und Mariä dar.

Der dekorative Schmuck des Langhausgewölbes um Schlusssteine und Rippenzwickel in Form pflanzlicher Ornamente stammt aus der Erbauungszeit 1455.



Der Chorraum (Presbyterium)

Chorraum

Die Fresken aus der Erbauungszeit wurden leider 1770 übertüncht und durch die Fensterausbrüche beschädigt, aber 1937 bis 1941 durch Dr. Franz Walliser unter Pfarrer Tembler wieder freigelegt. 1964 und 1973 wurden die feuchten Fehlstellen saniert, die Fresken gereinigt und von Prof. E. Pokorny aus Dölsach restauriert.

Die Fresken sind ein Hauptwerk des Meisters LEONHARD v. BRIXEN. Sie zählen zu den schönsten gotischen Wandmalereien des Mittelalters in ganz Tirol.

Der Freskenzyklus wurde in den Jahren 1458 bsi 1460 gemalt. Stilistisch steht der Meister Leonhard am Ende des "Weichen Stiles". Seine volkstümliche Darstellungsweise sicherte ihm viele Aufträge. Solche und ähnliche Freskendarstellungen in den Kirchen werden als "Biblia pauperum" - "Bibel der Armen" bezeichnet, weil dadurch auch die Analphabeten die Heilsereignisse aus der Bibel besser erfassen und betrachten konnten.


Der Freskenzyklus stellt dar:

Freskenzyklus

Reihe A: Eintritt Gottes in die Welt und Kindheitsgeschichte Jesu.

1 Verkündigung

2 Geburt Christi

3 Anbetung der Könige

4 Zug der Könige

5 Darbringung im Tempel

6 Kindermord

7 Flucht nach Ägypten

8 Taufe Jesu (Fehlstelle)

Reihe B: Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu

Reihe C: Die Werke der Barmherzigkeit als Antwort des Menschen auf Gottes Liebe!

Reihe A: Kindheitsgeschichte Jesu 1 - 8


Reihe B: Passionsgeschichte 9 - 24

9 Einzug in Jerusalem

10 Abendmahl (Fensterausbruch)

11 Gebet am Ölberg

12 Gefangennahme Jesu

13 Christus vor Kajaphas

14 Christus vor Pilatus

15 Geißelung

16 Dornenkrönung

17 Verspottung (unter Streifen)

18 Jesus trägt das Kreuz

19 Kreuzigung (Fensterausbruch)

20 Jesus am Kreuz

21 Beweinung Jesus (Pietá)

22 Grablegung (Fehlstelle)

23 Christi Auferstehung (Fehlstelle)

24 Christi Himmelfahrt (Fehlstelle)


Reihe C: Die Werke der Barmherzigkeit I - VII

I Hungrige, Durstige, Nackte, ...

II Kranke besuchen (Fehlstelle)

III Tote begraben: Im Sarg vermutlich König David, aus dessen Brust ein Baum zum Kreuz Christi (Bild 20) hinaufreicht.

IV Fremde beherbergen (Fehlstelle)

V Unwissende belehren (Fehlstelle)

VI Beten für Lebende und Tote

VII Fehlstelle

Himmlisches Sternenrippengewölbe

Im "himmlischen Sternrippengewölbe" sind in farbenfroher malerischer Gesamtdarstellung beeindruckende Bilder von Christus (König, Schmerzensmann, Weltenrichter), von Maria Königin, vier Evangelistensymbolen, zwölf Apostel und sechs heiligen Frauen dargestellt

(siehe Skizze).

Schlussstein I: Haupt Christi

Schlussstein II: Haupt Mariens

1 Philippus

2 Jakobus der Jüngere

3 Thomas

4 Petrus

5 Maria Königin

6 Christus König

7 Andreas

8 Johannes

9 Jakobus der Ältere (Pfarr- und Kirchenpatron)

10 Bartholomäus

11 Christus der Richter

12 Christus der Schmerzensmann

13 Dorothea

14 Margareta

15 Simon

16 Judas Thaddäus

17 Lukassymbol

18 Johannessymbol

19 Markussymbol

20 Matthäussymbol

21 Matthäus

22 Matthias

23 Barbara

24 Ursula

25 Katharina

26 Agnes

An der Innenseite des Triumphbogens ist das Opfer Abrahams und das des Kain und Abel zu erkennen. Die Rippen sind mit farbfrohen Blattrankenmustern ornamental hervorgehoben.

Im Langhaus, rechts vom Triumphbogen, ist dem Volk zugewandt der hl. Märtyrer-Offizier Sebastian (gest. 288) dargestellt.


Ausstattung

Als Hauptaltar steht (seit Freilegung der Fresken) ein einfacher gemauerter Altar. Der dem Altar angepasste Ambo wurde 1994 von Prof. Oswald Kollreider, Strassen, entworfen, von Fa. Wieser, Strassen, in Holz ausgeführt und in Zusammenarbeit von Prof. Kollreider und Malermeister H. Begher, Heinfels, künstlerisch gestaltet. Anstelle der früheren neugotischen Seitenaltäre wurde die heutigen von der Wallfahrtskirche Obermauern (Gemeinde Virgen im Iseltal) erworben.

Sie sind frühbarocken Stils und stammen von Roman Breni 1625. Sie wurden von den Restauratoren E. Schwenninger, Seefeld, und Frambert Wall-Beyerfels, Innsbruck, in Originalfassung freigelegt und die Holztafelbilder renoviert.

Linker Seitenaltar: Darstellung des hl. Martin als Reitersoldat, der mit einem Bettler seinen Mantel teilt. Der Aufsatz zeigt einen Bischof, und in der Predella erscheint Christus dem beinamputierten Bettler (aus der Martinslegende). Text: Ecce Martinus, adhuc Catechumenus hac me contexit veste. Roman Breni MDCXXV. (=Siehe, der Taufbewerber Martinus bekleidet mich mit diesem Gewand. Roman Breni 1625.)

Rechter Seitenaltar: Bild des hl. Apostels Jakobus d. Älteren, des Pfarrpatrons als Pilgerpatron, im Aufsatz Johannes Evangelist (Kelch und Schlange!). Das Predellabild, das den hl. Papst Martin I. in der Verbannung darstellte, wurde gestohlen.

Weitere Ausstattung

Weitere Ausstattung

Linke Wandseite: barocke Plastik Maria Himmelskönigin (1700) und Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer (um 1750). Ganz vorne - sehr beschädigt - das Fresko "Weltgericht". Rückwärts auf einem Tisch die Statue der "Unbefleckten" von Dominikus Trenkwalder, 1877.

Rechte Wandseite: Kopie des Maria-Hilf-Bildes von Lukas Cranach (Original im Innsbrucker St.-Jakobs-Dom) mit qualitätsvoll geschnitztem Rahmen (um 1700). Vorne großes barockes Kreuz.-Die Kreuzwegstationen wurden vom Museum in Lienz erworben und von den gleichen Restauratoren wie die Seitenaltäre restauriert, nachdem die früheren, wenig wertvollen 1938 entfernt wurden.

Die Orgel (mechanisches System, zweimanualig) wurde 1869 von Peter Volgger, Arnbach, erbaut.

Im Jahre 2000 wurde die alte Orgel abgetragen und im Gemeindehaus aufbewahrt. Die Firma Johann Pirchner, Steinach am Brenner, baute eine neue Orgel (Kosten Instrument: € 100.800,00). Gleichzeitig wurde der Chorraum umgestaltet, der Boden und das Gestühl der oberen und unteren Empore sowie der Aufgang zum Chorraum durch die Firma Friedrich Wieser erneuert (Kosten: € 30.500,00).

Die Glocken wurden1954 und 1955 von der Firma Pfundner Josef, Wien X, in Edelbronze (78 % Cu und 22 % Sn) gegossen.-Oktavglocken, melod. Dur-Moll-Geläute.

Die Herz-Jesu-Glocke, St.-Jakobus-Glocke, St.-Michaels-Glocke, Muttergottesglocke, Florianiglocke und die alte Zügenglocke (=Sterbeglocke).

Der Friedhof lag ursprünglich unmittelbar um die Kirche. 1842 wurde er dann auf den heutigen Platz verlegt und auch eine Friedhofskapelle errichtet. Seit 1964 ist sie zugleich Kriegerkapelle. Einrichtung: barocker Altar mit Kreuzigungsbild (1633). Am Apsisboden eine einfache Corpus-Christi-Holzplastik. Außen über dem Eingang ein Fresko von der Auferstehung von E. Pokorny, Dölsach (1966).

2001 konnte die Gemeinde Strassen um den Friedhof Grund von Frau Wieser Marianne vlg. Mesner, erwerben - nach Norden 4,00 Meter nach Westen 8,00 Meter und den südlichen Teil bis zum Weg. Somit ist der Grundstock für eine künftige Friedhofserweiterung - Familiengräber - gelegt.

Friedhof


Friedhofskreuz

Friedhofskreuz


Altar der Totenkapelle

Altar der Totenkapelle

Die Kapelle wurde von der Schützenkompanie Strassen innen und außen restauriert und Entfeuchtungsmaßnahmen wurden durchgeführt.