So18.Jan

34 Jungbürger feierten ihre Volljährigkeit

Das Jungbürgerfest der sechs Jahrgänge von 2003 bis 2008 begann mit einer Messfeier. Im anschließenden Festakt ging es weniger um Rechte und Pflichten der Staatsbürger, als vielmehr um wertvolle Tipps für ein gelingendes Leben in der heutigen Zeit.

Die heilige Messe in der Dreifaltigkeitskirche am Vortag zu Dreikönig zelebrierte Ortspfarrer, Dekan MMag. Hansjörg Sailer. Die Jungbürger trugen Lesung und Fürbitten vor, während eine Bläsergruppe der BMK Strassen die qualitätsvolle musikalische Gestaltung übernahm. In seiner Predigt als Beitrag zur Jungbürgerfeier betonte der Ortsseelsorger, dass im Leben junger Menschen der Kontakt mit Gott sehr wertvoll sei, von ihm bekomme man Mut und Kraft, das Leben nach der Bibel auszurichten. Als Vorbild wies er auf den Märtyrerpriester Otto Neururer hin, der sich in der Hitlerzeit mutig zur Religion bekannte und dafür im KZ sein Leben opferte.

Festakt im Kultursaal
Eine stimmungsvolle Hymne der Bläsergruppe, welche Rahmen und Auflockerung der gesamten Feier besorgte, erklang als festliche Begrüßung. Hernach hieß Vize-Bgm. Michael Trojer die Jungbürger(innen) mit ihren Eltern, den gesamten Gemeinderat, die Ehrengäste sowie alle Interessierten willkommen. Er sprach kurz die Rechte und Pflichten als Staatsbürger an, die am besten in der eigenen Gemeinde erprobt werden könnten. Der folgende Kurzfilm über die neun Ortsteile der Gemeinde Strassen, vor allem die schöne Landschaft mit umgebenden Bergen, zusammengestellt von Naturfotograf Hans Bergmann, machte den jungen Leuten bewusst, in welch schöner Heimat sie leben.
Für manche Leute, so Bgm. Franz Webhofer in seinen Grußworten, sei eine Jungbürgerfeier zwar etwas verstaubt, doch finde er sie unverzichtbar und wünsche den jungen Menschen, dass sie einen guten Lebensweg finden, Religion und Brauchtum akzeptieren und mit der abendländischen Kultur verbunden bleiben. Neben einem weiten geistigen Horizont, gespeist aus vielen Quellen, sollten sie als junge Erwachsene auch Unbeschwertheit und Humor mit ins zukünftige Leben nehmen.

Lernen vom Sport
Als Festrednerin hatte man die Kunstbahnrodlerin Madeleine Egle gewonnen, die sich als Thema „Mein Leben als Sportlerin“ ausgewählt hatte. Schon mit acht Jahren begann sie - gefördert durch die Volksschule - mit dem Kunstbahnrodeln, besuchte später eine weiterführende Sportschule und widmete sich ab 14 Jahren dem Leistungssport mit Olympia als Fernziel. In dieser Zeit spürte sie bald den Gegensatz zwischen Training, Rennen und Ergebnissen als äußerem Tun und dem inneren Erleben mit Druck, Erfolgen, Zweifel und Rückschlägen. 19-jährig geriet sie durch einen Oberschenkelbruch in ihre erste Krise mit mentaler Blockade. Nach langem Überlegen fiel die Entscheidung, die sportliche Laufbahn fortzusetzen. Dabei lernte sie das Meldepflichtsystems für Dopingkontrollen und seine Folgen kennen und wurde für 20 Monate gesperrt. Damit war der Traum von Olympia vorbei und sie landete am Tiefpunkt. Dieser Lebensbericht sollte die Jungbürger darauf hinweisen, dass es im menschlichen Leben immer ein Auf und Ab gibt und man sich stets wieder aufraffen und nie aufgeben sollte.

Gedanken einer Jungbürgerin
Mit Spannung wartete man auf die Rede der mutigen jungen Studentin Laura Mair. Sie schickte im Rückblick auf ihr bisheriges Leben einen Papierflieger in die Welt, der mit tattoowürdigen Sprüchen geschmückt war. Er eckte bald an, wurde grob angefasst und verlor die Form, sodass er neu gefaltet werden musste. Und wieder segelte der Papierflieger durch die Lüfte, mit Botschaften und Wünschen eines kleinen, jugendlichen und erwachsenen Ichs nach Liebe, Frieden, nach Ende des Fremdenhasses und der Chance für ein liebevolles Multi-Kulti. Doch erneut stürzte ihr Papierflieger ab und die Reparatur brauchte mehr Mut als früher, weil die kindliche Naivität einem jugendlichen Pessimismus gewichen war.
Nach diesen metaphorischen Worten kam die Rednerin zum eigentlichen Inhalt. Die meisten Jungbürgerinnen und Jungbürger hätten in Strassen ein bisheriges Leben gehabt, das von schöner Natur und sorgendem Miteinander geprägt gewesen sei. Aber als jetzige Jungbürger seien sie aufgerufen, ihre Zukunft selbst mitzugestalten, und da brauche es vor allem Hoffnung, die nicht selten als Dummheit und Träumerei abgestempelt werde. Aber vielleicht hätten viele junge Menschen heute das Träumen, den unerschütterlichen Glauben an das Gute, verlernt.
Einige Wünsche für die Zukunft wollte die Jungbürgerin noch am Ende wie einen weiteren Papierflieger in die Welt schicken: dass jeder junge Mensch für sein Leben mindestens eine Vertrauensperson hat, dass unsere Gesellschaft immer von einem harmonischen Miteinander getragen ist, dass die Menschen Empathie und Verständnis füreinander aufbringen und dass sich auch die Jugend mit Engagement für Umwelt und Klima einsetzt. Diese Wünsche in etwas anderem Wortlaut enthielt auch das gemeinsam gesprochene Jungbürgergelöbnis, die gesungene Landeshymne und der Wille zum Gemeinschaftsfoto am Ende des Festaktes. Jeder Jungbürger erhielt vom Bürgermeister bzw. Stellvertreter ein passendes Geschenk. Das anschließende Festessen im Gasthof Lenzer und der abendliche Dreikönigsball im Kultursaal mit der Tanzmusikgruppe „Volksbeat“ bot genug Möglichkeiten für einen lebendigen Gedankenaustausch und die Auffrischung alter Freundschaften. KS

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